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9 Tage Ostalpen-Tour, Italien, European BikeWeek, Slowenien 04.09.2021

Aktualisiert: 18. Okt. 2021

Dieter J.: Mit Gitta zum Shoppen nach Faak. Das war der Plan. Natürlich nicht auf dem direkten Weg. So fuhren Thomas, Gitta und ich schon gut 1 Woche früher los, mit dem Ziel, die Strecke mit so vielen Pässen wie möglich zu verlängern. Über den Arlberg bei bestem Wetter, eigentlich für diesen Sommer ungewöhnlich, weiter in Richtung Reschen. Dann kam unser Angriff auf das Stiftser Joch, der typische Pass für Harley Fahrer mit seinen 2757m...



An diesem Tag war der Pass gut befahren und so trafen wir in fast jeder der 46 Steilkurven auf einen Gegner, mit dem man sich dann einigen musste, wer bremst und ausweicht. Ein wenig froh waren wir schon, als wir endlich oben angekommen waren, nachdem es auch noch angefangen hatte zu hageln. Da waren die weiteren Pässe wie Gavia 2652m und Tonale 1883m schon fast ein Kinderspiel, obwohl die Straßen in einem erbärmlichen Zustand waren, Leitplanken hatte man auch eingespart, dazu noch Regen. Thomas versucht immer eine trockene Route zu finden mit Hilfe von Navi, Regenradar und Wetterapps, eine Wissenschaft für sich. Meistens gelang das auch. Und wenn mal nicht, dann war die restliche Wegstrecke so bemessen, dass unsere Regenkombis am Hotel wieder getrocknet waren. So erreichten wir unser Hotel Vittoria in Dimaro in den Dolomiten bei 28° in der Sonne. Der Ablauf danach ist eigentlich schon genormt und wird hier nur kurz erwähnt: Garagenbier, Garagenbier, ital. Essen, 1 Absacker oder auch 2.

Tag 2:

Eigentlich war unserer nächste Unterkunft nicht weit weg. Knappe 90 Km Luftlinie, nach Osten. Man glaubt gar nicht , was man in den Dolomiten daraus machen kann. Es waren dann 250 km und kein Pass in Reichweite wurde ausgelassen. Das Schmuckstück des Tages war der Manghen mit einer Passhöhe von 2042m, lt. Google einer der anspruchsvollsten Pässe, unendlich viele Spitzkehren und an der Straßenbreite hatte man auch gespart. Es war auch noch Sonntag und die Italiener führten Ihre Rennsemmeln aus. Die schmalen Straßen waren gut voll. Das Gebiet ist eine Hoch Alpe mit Kühen und auch mit deren Hinterlassenschaften auf den engen Straßen, was der Bodenhaftung nicht entgegenkommt. Ich bin ihn nun schon 3 mal gefahren. Ich mag ihn immer noch nicht. Das beklemmende Gefühl in der Magengegend ist geblieben, wenn man nicht weiß, ob hinter der nächsten Kurve nicht doch eine Kuh mitten auf der Straße steht, die Blickkontakt zu dir sucht und es ist kein Platz zum Ausweichen. Und Kühe werden dann richtig groß und füllen die Straße aus. Nun wurde auch noch der Himmel schwarz. Zuerst in den Bergen. Wir also ab ins Tal. Doch die schwarze Wand kam hinter uns her. Wir auf der Flucht. Für Harleys ungewöhnlich schnell, Geschwindigkeitsbegrenzungen galten nur für Autos. Aber auf den letzten Kilometern hat es uns dann doch noch erwischt. Es galt den täglichen Schauer zu ertragen und unsere Herberge in einem geschichtsträchtigen Dorf in den Bergen zu erreichen. Die Kirche stammte im Ursprung von 1100. Das Abendessen im Hause war super. Thomas behauptet, noch nie eine so gute Pizza gegessen zu haben. Wer diese Delikatesse ausprobieren möchte, die Anschrift kann bei Thomas abgefragt werden und es gibt bestimmt einen Weg ohne den Manghen.

Tag 3:

Eigentlich ist Faak um diese Zeit komplett ausgebucht. Thomas hat ja sein Büro immer dabei und es ist ihm gelungen, noch ein Hotel für 2 Übernachtungen aufzutreiben. Also gleich nach dem Frühstück rein in die Dolomiten. Es wurde der Tag der Pässe: Duran 1605m, Sella Ciampigotto 1800m, Sella Di Razzo 1750m, Sella Di Rioda1800m, Sella Di Interneppo 400m, Sella Cereschiatis 1100m, Sella Di Camporosso 800m. Es waren wohl einige 1000 Kurven. Auf unserem Weg lag auch der Lago Vajont, bei dem sich 1963 eine große Katastrophe ereignet hat Ein riesiger Bergrutsch schüttete den See zu und die 70 m hohe Flutwelle löschte im Tal 2 Dörfer komplett aus.


Tag 4:

Heute sollte Gittas große Einkaufstour in Faak über die Bühne gehen. Der Besuch der früher so riesigen Harley Dörfer war eine große Enttäuschung. Es war einfach nix los. Gitta musste ihr angespartes Geld wieder einpacken. Dann sind wir mit den Harleys nach Velden, trafen dort Dietmar und Brigitte und hatten einen schönen Nachmittag bei der Besichtigung der Reichen und der Schönen. Die Häufung teurer Autos und umgebauter Harleys war bemerkenswert. Abends zum Essen nach Arneitz, geplant mit dem Shuttlebus. Nachdem dieser aber nicht kam, sind wir eine gute Stunde zu unserem Abendessen gelaufen.

Stramme Leistung!!! Zu später Stunde spielte eine Mädchenband im ACDC-Stil auf und um Mitternacht stand das Harley Volk auf den Bänken. Wenigstens ein klein wenig wie früher.

Tag 5:

Nachdem bei Harley tote Hose war, hatten wir uns entschlossen, von den Bergen ans Meer zu fahren. Über die Karawanken, in die Berge Sloweniens in Richtung Italien. Die Straßen waren super schlecht, geeignet für Enduro Maschinen. Es waren dort wohl noch keine EU Gelder angekommen. Die Pässe waren nur auf Umwegen zu erreichen. Kein Grund für Thomas sie nicht doch anzusteuern, denn wir durften ja nicht aus der Übung kommen. Zur Belohnung gab es ein vorzügliches Essen, mitten in den Bergen, die alle über 2000m waren, an einem See in einem super Hotel. Gitta und ich waren sehr zufrieden für diese Kompensation. Dann flott weiter Richtung Grado an der Adria. Vornehmer Badeort. Wir wohnten stilecht auf der 6ten Etage in einer Suite im Grand Hotel Astoria mit Meerblick. Auf der 7ten Etage war dann der Pool mit Meerwasser und so konnte Gitta den eingepackten Bikini ausprobieren. Vom Garagenbier wollte ich eigentlich nichts mehr schreiben, aber an diesem Tag gab es die Getränke unter Palmen bei angenehmen Temperaturen vor der Bar unseres Grand Hotels. Sehr vornehm!! Abendessen in der Altstadt. Alle Gassen und Straßen waren mit Tischen und Stühlen bestückt und stilvoll eingedeckt. Ich schätze mal so an die 1000 Plätze und alle belegt. Es war Leben in den Gassen.

Unser Abendessen mit Wein aus dem Veneto war hervorragend. Anschließen noch einen Bummel durch die Einkaufsstraßen, die bis Mitternacht geöffnet haben. Es war ein sehr abwechslungsreicher Tag. Thomas hat Grado als Ziel für ein verlängerte Wochenendtour ins Programm für die nächsten Jahre genommen.

Tag 6.

Heute von der Adria an den Gardasee. Auf Landstraßen durch die stark besiedelte Poebene ist eine Zumutung. Also auf die Autobahn in Richtung Padua/Verona. Dann aber die letzten 70 km auf ausgesucht kleinen Straßen und Pässen in den Bergen. Gegenverkehr wäre hier zu einem Problem geworden. Gott sei Dank hatten die dortigen Bergbauern keine größeren Fahrzeuge. Aber dann ging es runter in die Ebene Richtung See. Im Dorf war ein Hotel für Biker. Gemeint waren hier die Radler, die dann am ganzen Gardasee und in den Bergen ihr Unwesen trieben und eine permanente Verkehrsbehinderung darstellten. Gitta hatte ein wunderschönes Restaurant ausgesucht. Wir saßen in einem Garten, hoch über dem See, mit Blick auf das Wasser und die Berge. Es gab beste ital. Küche, dazu einen Pino Nero von 2017, der war so gut, dass es dann 2 Flaschen wurden. Für uns war es eine Entschädigung für den Tag auf der Autobahn bei 27° und den abenteuerlichen Straßen an den Berghängen, die wohl nie repariert werden und nur endurotauglich sind.

Tag 7:

Eigentlich sollte es ein fast Ruhetag werden, mit kleiner Ausfahrt rund um den See Richtung Garda und dann zum Hotel. Aber da waren schon einige 1000 Autos unterwegs. Stop and go bei 30°. Der Hitzestau unseren wärmespendenden Motoren war bei Stillstand kaum zu ertragen.

Wir überholten die Autoschlagen wo immer es ging. Nur die örtliche Polizei konnte uns einbremsen. Thomas hatte irgendwann Mitleid mit uns und befragte sein Navi. Es ging dann links in die Berge in einem großen Bogen zurück ans Wasser. Das von Thomas gebuchte Chalet lag auf der anderen Seeseite in den Bergen. Mit der Fähre über den See.

Schön und angenehm kühl. Das Navi von Thomas schien wohl auf schwierige Wege eingestellt zu sein, jedenfalls schickte es uns einen schmalen Schotterweg steil den Berg hoch, bis der Weg zu Ende war. Zur Strafe musste Thomas dann unsere Maschinen am Steilhang auf der Stelle drehen. Er hatte uns die Situation schließlich eingebrockt.

Danach erfolgte dann ein neuer Anlauf einige km weiter von der Uferstraße aus.

Wieder eine Serpentinenstraße hoch auf den Berg zu einem kleinen Bergdorf bis die Straße endete. Dann noch eben steil runter, ein wenig Schotter und wir waren im Hotel. Ist nur was für mutige Harley-FahrerInnen. Den geplanten kleinen Ausflug haben wir gestrichen und lieber die Bar am Ortseingang besucht. Intensive Kommunikation mit der einheimischen Bevölkerung mittels Handy Übersetzungs App betrieben und immer wieder deutschen Gästen mit Auto oder Krad gezeigt, dass sie die enge, steile Straße runter müssten, wenn sie zu unserem Hotel wollten. Es gab jede Menge Prosecco, Hugo, Bier und einen kleinen Snack mit Mortadella, Prosciutto Crudo und Hirtenkäse. Der schönste und außergewöhnlichste Aperitif der Reise.

Von unserem großen Chalet aus hatten wir einen tollen Blick auf den See und den Monte Baldo.

Die Küche hatte einen guten Ruf und wurde von den Gästen sehr gelobt, die nicht täglich die 8 km Serpentinen oder 700 Höhenmeter an den See machen wollten. Zu ergänzen wäre noch der Sprung von Thomas ins kalte Wasser des hoteleigenen Schwimmbades.

Er wollte unbedingt seine mitgenommene Badehose einmal nass gemacht haben.

Gargnano-Sasso: Ich liebe Garmins Fähigkeiten den kürzesten Weg vorzuschlagen...


Tag 8:

Oder auch Tag der Kurven. An eine Strecke von 145 Km arbeiteten wir 7 Stunden mit kleinen Pausen zu 90% im 2ten Gang. Spaß hat es nicht gemacht. Oberstes Gebot war es, auf der rechten Straßenseite so weit wie möglich rechts zu fahren und vorsichtig die Kurven anzusteuern. Viele ital. Motorradfahrer testen hier ihr Können aus und benötigen dann öfters auch die volle Straßenbreite. Nicht immer mit Erfolg, wie die vielen Gedenktafeln und Blumensträuße an den Felswänden und Leitplanken zeigten. Der absolute Höhepunkt des Tages war der Besuch einer Wallfahrtskirche hoch am Berg. Schmal und die Steigung so um die 30%. Der Straßenbelag war quer gefräst zur besseren Haftung. Die erste 180 Grad Linkskurve schafften wir noch. Bei der nächsten engen Rechtskurve mussten wir passen.

Die Maschinen waren so nicht den Berg hinauf zu bringen. Also auf der Stelle gedreht mit viel vor und zurück, bis wir halbwegs in Bergrichtung standen. Dann mit viel Schwung und noch mehr Gas die nächste Strecke rauf. Macht man mit einer Harley nicht jeden Tag und war für uns auch eine neue Erfahrung, was so alles geht. Für die Abfahrt wurde ein Gefahrenplan erstellt. Gitta mit Sprechfunk ging voraus und sicherte die Kurven gegen auffahrende Fahrzeuge. Es gab dann wie immer nach solchen Abenteuern eine Belohnung. Thomas führte uns in ein Lokal, ca. 400 m über dem Wasser auf einem Felsvorsprung. Der Ausblick auf den See und die gegenüber liegenden Berge war fantastisch. Dazu dann wieder typische italienische Küche, aber keinen Wein.

Tag 9:

Heimfahrt über die Autobahn.

Wir waren zwar nur 9 Tage unterwegs. Aber durch den permanenten Ortswechsel, durch die unterschiedlichen Regionen von den steilen Dolomiten, über die Berge Sloweniens, zu den flachen Feldern der Poebene, an die Adria, bis zu den oberitalienischen Seen, hatten wir am Ende das Gefühl, Wochen unterwegs gewesen zu sein.

Dieter Janezko, Lindau Sept. 2021

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